Nikolai Khalezin / Freies Theater Minsk mit “Generation Jeans” im Club Ampere der Muffathalle

Die Vermischung von Kunst und Leben und die daraus abgeleitete Strategie, persönliche Geschichten zum Gegenstand des Inszenierten zu machen, sind nicht neu im Theater. Zum einen leitete sich daraus die Performancekunst als eine Art Desillusionstheater ab. Zum anderen bzw. gleichzeitig galt es, das Theater einem politischen Zweck zuzuführen und den Graben zwischen Bühne und Zuschauerraum zu überbrücken. Was auf der Bühne geschieht ist dem echten Leben entnommen, daher gibt es für die Zuschauer auch keinen Grund romantisch zu glotzen. Wenn Biografisches in Kunst verwandelt wird ist damit – zumindest aus historischer Perspektive – ein aufklärerischer Anspruch verbunden. Seht her, so ist die Wirklichkeit! Wir können sie verändern!

Generation Jeans Ist dieser Anspruch heute noch haltbar? Spätestens seit das „Reality-Format“ vom Fernsehen adaptiert wurde – sei es in Reality-TV Shows, sei es in Talkrunden – avancierten „Authentizität“ und Bekennerschaft zur Massenideologie. Je persönlicher, je echter, desto besser. Die Konsumentengesellschaft kann ohne „Ich“ nicht existieren. Was aber unterscheidet solche TV-Wirklichkeit vom biografischen Theater?
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