Großereignisse des wissenschaftlich_künstlerisch_technologischen Diskurses, wie die ARS, erhalten ihren spröd intellektuellen Charme erst durch die vielen Panels. Diesmal ging es unter anderem um HUMAN NATURE I-IV, Cloud Intelligence oder die eigene Historie. Und dort traf man beispielsweise Hannes Leopoldseder, einen der Gründerväter und der sagte einen bemerkenswerten Satz: “Ohne die Linzer Klangwolke hätte die Ars Electronica sich niemals gehalten”. Wenn es die Wolke also ist, die im Zentrum des Geschehens steht, soll sie heuer zum Dreissigsten auch mal von der Theatermaschine gewürdigt werden. Was hat es also auf sich mit diesem großen zentralen Event der Ars, die sich diesmal mit HUMAN NATURE beschäftigt und allerhand Gruseleffekte aufbietet zwischen Nanotech, Biohacks, Hybriden und Hybris.

Die Wolke gibt sich dieses Jahr ganz alttestamentarisch: die Flut soll kommen und alles wegspülen. Samstagnachmittag nahen ganz termingerecht die Vorboten. Weiße Tierherden aus biegsamem Kunststoff an langen Stäben und versuchen den Marktplatz zu erreichen. Was wegen Überfüllung nicht einfach ist. Vielleicht ein Vorgeschmack wie sich die Flut am Abend anfühlen möchte. Da ging es dann auch furchtbar zur Sache. Unterbrochen von mehreren unmotivierten aber prächtigen Feuerwerkseinschüben und begleitet von einem gar schauerlichen Soundtrack, dem man nichts als baldiges Absaufen wünschen konnte, schunkeln die Tierchen, gerne zur besseren Sichtbarkeit auch mal mit Leuchtfarbe kenntlich gemacht, ihrem Ende entgegen. Auf der Donau treiben Eisberge, viele Häuser (immerhin von innen beleuchtet denn Strom ist bis zuletzt) dann Tankerexplosion, tausend brennende Seelen und Schluss.