Die altehrwürdige Biennale des Neuen Musiktheaters in München unter der Leitung von Daniel Ott und Manos Tsangaris löst sich diesmal vom althergebracht Neuen und gibt sich locker. Kein verkrampfter Kunstanspruch mit ambitiöser Neutönerei in den Üblichkeiten der Gattung, sondern Mut zum Ausprobieren zwischen verschiedenen Kunst- Disziplinen. Videokunst, Installation, was halt so dazugehört. Das ist ok und kann man machen, führt aber zu keinen neuen Erkenntnissen. Und manchmal wie in der Auftaktproduktion “SWEAT OF THE SUN” nach Gedankensplittern von Werner Herzog zu ärgerlicher Banalität. Und zwar sowohl szenisch als auch musikalisch. Es ist schon riskant, an die künstlerische Maßlosigkeit und genialische Gigantomanie eines Werner Herzog anbandeln zu wollen und dann einen “Erfahrungsraum” zu kreiren, der von einem “existenziellen Nullpunkt erzählen möchte und doch nichts ist als eine künstlerische Nullnummer.

Interessanter dann die zarte Erinnerungsperformance ECHOS in allen Räumen des Einstein Kulturzentrums. Das ist szenisch und musikalisch fein durchdacht und realisiert. Die Zuschauer wandeln frei durch die Räume und können zu sich kommen. Ein Klavierstück von Robert Schumann löst sich aus der Erinnerung, spaltet sich auf, baut sich um und findet sich in einem neuen Werk. Musikalischer Höhepunkt dabei ist ein zwanzigminütiges Konzert, das die Komponistin Stephanie Haeusler sehr geschickt in dem Irrgarten der Erinnerungen versteckt, das den Gedanken Halt gibt und sich wieder auflöst. UNDERLINE wiederum ist ein etwas in die Breite gezogenes Klanggeschehen mit skurril bewegten Objekten, das so etwas wie die Apokalypse im Baumarkt skizziert. Musikalisch eher eindimensional und von überschaubarer szenischer Kraft. Aber: viel Aufwand.