SPIELART: „Lucid Possession“ von Toni Dove mit Mari Kimura (Musik, Komposition), Hai-Ting Chinn (Stimme)

Seine Perlen spuckt das Festival in den Nachmittagsstunden aus. Vor zwei Jahren die italienische Gruppe Orthographe – gestern und heute mit einer neuen Produktion in die Reaktorhalle zurückgekehrt. Heute und morgen um 15 Uhr im Haus der Kunst die Amerikanerin Toni Dove mit ihrer Truppe von Künstlerinnen, Programmieren, Video- und Roboticsspezialisten. Ein Work in-progress wurde gezeigt, von dem wir hoffen, dass es in zwei Jahren am Ende seines Entwicklungsprozesses ebenfalls wiederkommt.

Wo wir gerade noch von der Kunst des 21. Jahrhunderts geschrieben haben. Voilà, „Lucid Possessions“ sieht schon mehr danach aus. Phantasievolles, sinnliches Zusammenspiel von Elektronik und menschlichen Körpern. Die Geburt des Avatars aus der Historie weiblicher Unterwäsche. Mittels iPhone gesteuerte Roboterstrukturen, Videostreams, die tatsächlich durch Bewegungen fließend gehalten werden, eine tolle Sängerin und eine Geigerin, deren Bogenbewegungen ebenfalls zur Luzidität des Stückes beitragen. Die verwendete Software lernt noch, sie lernt Stimmen, Bewegungen, Töne, Klänge. Die Akteure steuern die Software weniger, sondern spielen mit ihr wie mit einem Instrument. Ein Instrument, das von mehreren gleichzeitig bedient und gefüttert wird. Unter den Röcken der Damen breitet sich Licht aus. Eine Geschichte wird erzählt. Die Geister und Wiedergängerinnen tanzen. Der Time Square leuchtet. You have to know, what is hunting you.